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  • AutorenbildAndreas Hirschi

Hoftötung – weniger Stress, mehr Tierwohl




Der Transport zum Schlachthof und die Zeit im Schlachthof sind für Nutztiere oft sehr belastend. Eine vergleichende Studie des FiBL Schweiz zeigt, dass Hoftötungen den Stress der Tiere erheblich verringern können.

Wenn Nutztiere im Schlachthof getötet werden, sind sie vorher verschiedenen Stressfaktoren ausgesetzt, zum Beispiel der Trennung von der Herde, dem Transport, dem Zusammentreffen mit unbekannten Tieren und Menschen, oft langen Wartezeiten in ungewohnter und enger Umgebung sowie ungewohnten Geräuschen und Gerüchen. Eine Möglichkeit, den Stress zu minimieren, ist die Tötung der Tiere auf dem Hof und der Transport der entbluteten Tiere zu einem Schlachthof für die Verarbeitung. Die Hoftötung und die Weidetötung sind in der Schweiz seit Juli 2020 und in der EU seit März 2021 erlaubt. Rund hundert Schweizer Betriebe haben die dafür nötige Zulassung bisher eingeholt.


Eine neue FiBL Studie vergleicht die Schlachtungen von zwei Gruppen von elf und zehn Masttieren vom gleichen Betrieb: Die Tiere der ersten Gruppe wurden im Schlachthof getötet, die der zweiten Gruppe auf dem Hof. Die Umweltbedingungen vor dem Schlachttag waren für alle Tiere vergleichbar. Kurz vor dem Betäuben wurde das Verhalten der Tiere beobachtet und während des Entblutens wurden Blutproben entnommen.


Der Cortisolgehalt ‒ das wichtigste Merkmal zur Messung von physiologischem Stress ‒ lag im Schnitt im Schlachthof zwanzigmal höher als bei den Hoftötungen.

Schlachthof: Stresshormon Cortisol bis zwanzigmal höher


Die Gehalte der stressanzeigenden Parameter Cortisol, Lactat und Glucose im Blut von im Schlachthof geschlachteten Tieren waren signifikant höher als die Gehalte der auf dem Hof getöteten Tiere. Der Cortisolgehalt ‒ das wichtigste Merkmal zur Messung von physiologischem Stress ‒ lag im Schnitt im Schlachthof zwanzigmal höher als bei den Hoftötungen. Das ist ein unerwartet grosser Unterschied; eine Studie von 2017 hatte einen zehnmal höheren Durchschnittswert ergeben.


Ruhiges Verhalten unmittelbar vor dem Betäuben kam nur bei Hoftötungen vor, unruhiges und nervöses Verhalten kamen im Schlachthof mehr als doppelt so oft vor wie bei Hoftötungen. Diese Ergebnisse belegen, dass Hoftötungen eine Minimierung von Tierstress ermöglichen.


Fazit


  • Die stressanzeigenden Parameter im Blut und das Verhalten der Tiere bei den Hoftötungen belegen ein deutlich geringeres Stressniveau und damit ein besseres Tierwohl als bei der Tötung im Schlachthof. Deshalb sind Hoftötungen zu empfehlen.

  • Weitere Untersuchungen in verschiedenen Schlachthöfen und mit unterschiedlichen Systemen der Hoftötung wären sinnvoll, um die stressauslösenden Faktoren noch besser zu erkennen, so dass sie vermeidbar werden.

  • Stress vor der Schlachtung kann auch zu verminderter Fleischqualität führen. Der Zusammenhang von Fleischqualität und Stress ist durch viele Studien belegt. Derzeit untersucht das FiBL ausserdem die Fleischqualität in Abhängigkeit von den Schlachtmethoden.


Quelle: FiBl - Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL


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